|
SCHAMANISMUS
- EIN WEG DER HEILUNG
Schamanismus,
Schamane, schamanistisches Arbeiten – Worte, die eine Palette
verschiedener Gefühle gleichzeitig hervorrufen können.
Faszination und Anziehung, Angst und Unheimliches, magische Welten
und Trommelklänge – all dies wirkt sich zusammen auf
einem Webstuhl, der häufig die Form eines großen Fragezeichens
trägt. Manchmal regt sich in den Tiefen unserer Gehirnregionen
eine Ahnung, daß diese Welt uns gar nicht so fremd ist.
Das Leben in einer modernen materialistisch orientierten Gesellschaft,
die obszessiv nach neuen Technologien forscht, die die Natur kontrollieren
und ausbeuten, hinterläßt in uns jedoch ebenso Spuren
und Eindrücke. Diese können als Schleier auf unseren tieferen
Ahnungen liegen und eine Schwellenangst auslösen, neue bzw.
alte Wege zu gehen und zu erforschen.
Es ist eine Tatsache, daß die Bemühungen der westlichen
Zivilisation in den letzten Jahrhunderten die Natur zu kontrollieren
und zu besitzen, zu Ausbeutung, Ausrottung und massiver Gefährdung
aller menschlichen und anderen Lebensformen geführt hat.
Schamanismus
und schamanistisches Arbeiten beinhaltet immer eine Wertschätzung,
in der die Aufmerk-samkeit in die spirituelle Verbindung mit Tieren,
Pflanzen und allen anderen Welten der Erde und des Himmels geht.
Die Seinsweise ist hier eine empfangende, die den Raum der Berührbarkeit
und des BerührtSeins nährt und fördert und einen
natürlichen Respekt für alles Leben bereithält.
Eine große, radikale Herausforderung für das westlich
technologisch ausgerichtete Bewußtsein sind zwei Grundsäulen
schamanistischer Traditionen: die Existenz verschiedener Bewußtseinswelten
oder Wirklichkeiten und die Existenz und Realität spiritueller,
geistiger Wesen.
Schamanismus fächert ein vieldimensionales Spektrum von Verbindung
und Kommunikation auf, das eine Quelle tiefer Heilkraft in sich
birgt – sowohl auf persönlicher wie auch auf kollektiver
Ebene.
SCHAMANISMUS
& WISSENSCHAFT
Der
Respekt und die Achtung für die Alchemie des Lebens ist das
Grundfundament im schamanistischen BewußtSeinsRaum. Die Erforschung
dieser Alchemie erschließt den Zutritt zu Welten und Mysterien.
In der beseelten Verbindung zu den fünf Elementen, Feuer -
Erde - Wasser - Luft -Äther ist die Anerkennung des Lebens
als heiliger Zyklus verankert. Die ältesten Wissenschaftsbereiche
dieses Planeten - die Mysterien- und Tempelschulen aller Kulturen
- wußten und wissen um die Bedeutung der Alchemie der Elemente
und deren Widerspiegelung in den fünf platonischen Körpern.
Sie wurden verstanden als Lebensbausteine und Weisheitskörper,
die den Raum der sog. Heiligen Geometrie begründen. Drunvalo
Melchizedek hat in seinen zwei Bänden "Die Blume des Lebens"
hervorragende Forschungsarbeit geleistet, dieses alte Wissen verständlich
in Worte zu fassen.
In der hochtechnisierten modernen Welt leiden wir als Menschen (und
dadurch auch die anderen Welten) unter einem großen Defizit.
Wenn die Grundannahme von Wirklichkeit nicht mehr gehalten ist durch
beseelte Verbindungen von uns zu allem was uns umgibt, erschaffen
wir eine Wirklichkeit, in der Spaltung, Trennung und Isolation vorherrschen
und wir als Mensch der Welt konfrontativ begegnen. Unser natürliches
Potential -verbunden und mitfühlend zu sein - vegetiert im
Schattendasein, wir sind ins Defizit geraten.
Ein Defizit ist die Beschreibung eines Zustandes, dem es an lebendiger,
lebensspendender Energie mangelt. Dieser Zustand führt zu einem
Ungleichgewicht in uns selbst und außerhalb von uns. Der Zustand
von uns als Menschheit und unseres Planeten ist ein realer Spiegel
dieses Mangels.
Es ist nicht die Technisierung, Wissenschaft und Forschung, die
uns dieses Defizit beschert, sondern unsere Haltung, die diesen
Bereichen zugrunde liegt. Aus schamanistischer Sicht ist z.B. ein
Atom mit seinem Kern eine vollständige, beseelte und lebendige
Welt, die in sich Mysterien, Lebensbausteine und Informationen bereithält,
die tiefer, größer und komplexer sind als wir erfassen
können. Hier ist maßgeblich, wie wir als Mensch diesem
Weisheitskörper begegnen.Sind wir in Respekt vor dem Wunder
des Lebens, das da vor uns liegt und erforscht werden möchte,
erschaffen wir einen beseelten Raum von Verbindung, von dem wir
Informationen erhalten könnten, die uns tatsächlich bereichern
und erweitern könnten. Wir erkennen an, daß wir nicht
die Schöpfer dessen sind, sondern in dieser Schöpfung
gehalten und eingebunden sind. Und damit begegnen wir einer Ursache
unseres Defizits in dem simplen Satz: Haben wir als Menschen diese
Welten gefragt als wir z.B. die Atomkernspaltung vollzogen und haben
wir vielleicht einen mächtigen und kraftvollen Tanz zerstört,
der in sich vollkommenes Gleichgewicht und Harmonie erzeugt hat?
Die uralte Ethik Leben als heiligen Raum zu betrachten kann uns
erinnern, daß wir selbst dazugehören und uns helfen zu
heilen.
Forscher wie der japanische Wasserwissenschaftler Dr. Masaru Emoto
sind Wegbereiter diese Ethik wieder zu erinnern . Dr. Emoto spricht
seit ca. 10 Jahren mit Wasser und hat über ein Spezialverfahren
Kristallfotografien erstellt, die aufzeigen, welche Wirkung Worte
zu den Welten, in dem Fall dem Element Wasser haben. Negative Worte
zerstören die kristalline Struktur der Wasser- Moleküle,
während positive Worte Kristallbilder entstehen ließen,
die von überwältigender Schönheit sind. Mit eines
der schönsten Kristallbilder ist entstanden aus der Wortkombination
Liebe & Dankbarkeit.
Das Element Wasser offenbart durch die beseelte Forschungsarbeit
dieses Mannes, daß es keine tote Materie ist, sondern lebendige
Energie. Sowohl beim Betrachten der Wasserkristalle, als auch beim
Betrachten des Menschen Emoto (ich erlebte ihn auf einem seiner
Vorträge) wird offensichtlich , daß aus der Verbindung
dieser Forschungsarbeit etwas entstanden ist, daß berührt
und erweckt.
Die Annahme, daß die Schöpferkraft, die Lebensenergie
aus den nicht sichtbaren Welten die Welt der Form und Materie überhaupt
erst erschafft, führt natürlicherweise zu einer beseelten
Verbindung mit allem was uns umgibt. Diese uralte Seinsweise und
ihre Grundannahmen spiegeln sich wider in wissenschaftlichen Forschungsbereichen,
die damit Tore öffnen, den Spalt zwischen moderner Wissenschaft
und den alten Weisheitswegen zu heilen.
1984 erhielt der Schweizer Atomphysiker Dr. Carlos Rubbia den Nobelpreis
für eine mathematisch berechenbare Naturkonstante, die das
Verhältnis von Materie zu Energie aufzeigt: diese Formel besagt,
daß um 1 Teil Materie in sichtbarer, greifbarer Form zu bilden,
ca. 1 Milliarde mal mehr Energieeinheiten notwenig sind.
Daraus ergibt sich logischerweise die Frage, was bedeutet es für
uns als Menschen, wenn wir uns nur auf den 1 Milliardstel Teil der
Wirklichkeit beziehen, wie können wir auf der Grundlage dieser
reduzierten Realität verantwortungsbewußt, mitfühlend
und vor allem in Bewußtheit – lebendiger Intelligenz
– sein?
ETHNOKULTURELLES
ERBE
Schamanismus
ist kein kulturspezifisches Phänomen, sondern in allen Kulturen
dieser Erde als Urkraft und Wurzel verkörpert und ältester
angewandter Heilraum. Das Wort Schamane stammt aus der Sprache des
sibirischen Tungus Stammes. Der präzise Begriff Schamane beinhaltet
eine klare Abgrenzung zu häufig überschatteten Begriffen
wie Hexen, Zauberer, Medizinfrau/-mann, Medium etc. Mircea Eliade,
ein großer Gelehrter auf dem Gebiet vergleichender Religionswissenschaften
(gest. 1986) lieferte in seinem Klassiker „Schamanismus“
eine klare Definition für das Wesen des Schamanen: ein Mensch,
der in verändertem Bewußtseinszustand reist, gewöhnlich
hervorgerufen durch rythmisches Trommeln, Rasseln oder durch Einnahme
psychoaktiver Drogen. Dieses Reisen in die andere Wirklichkeit dient
zur Wiederherstellung verlorenen Gleichgewichts, Heilung von Krankheiten
durch Heilen der Ursache in den anderen Welten. Kommuniziert wird
dabei mit Verbündeten auf Geistebene, die aus den verschiedenen
Welten von Großmutter Erde und Großvater Himmel (Tiere,
Pflanzenwesen, Geistführer, Wesen aus dem Mineralienreich u.v.m.)
diese Reise begleiten.
Ein wesentliches Merkmal dieser Reisen ist es, daß der Schamane
bewußt bleibt, die Kontrolle über seine geistigen Kräfte
und seinen Willen behält und nach der Rückkehr in die
normale Wirklichkeit alles erinnert.
Schamanismus ist eine lebender Weisheitskörper, eine gelebte
Bewußtheit und uralte Intelligenz, die uns Wege der Orientierung
zeigt.
Wir selbst können uns erst dann ganz wiederherstellen und in
Einheit bringen, wenn wir anerkennen, daß wir in beseelten
und lebendigen Lebensräumen eingebettet sind.
Jede Form von Schamanismus, die abgetrennt ist von ihrem eigenen
kulturellen Erbe, kann nicht als Schamanismus in Wahrheit bezeichnet
werden. Da wo die Ahnen, die die vor uns gegangen und ein lebender
Weisheitskörper sind, von uns verneint oder nicht integriert
sind, verlieren wir den Zugang zu unseren kulturellen Wurzeln und
sind in unserer Identität fragmentiert. Wenn wir uns vor Augen
halten, was die gelebte Geschichte unserer Vergangenheit hier in
diesem Land erzählt, kommen wir nicht umhin, die Wunden und
Verletzungen eines Landes und seines ethnokulturellen Erbes zu erfahren.
Ralph Metzner führt in seinem Buch „Die Brunnen der Erinnerung“
einfühlsam durch diesen tabuisierten und verwundeten Bereich,
den unser Land und seine Leute in ihrem ethnokulturellen Sein erfahren
haben.
Die Wahrheit ist, daß unser Land und seine Leute in den Wurzeln
ein starkes schamanistisches Erbe tragen. Die Schatten der jahrhundertelangen
Verfolgung und Ausmerzung unserer Medizinleute, Schamaninnen und
Schamanen durch die Feuer der Inquisition sind noch nicht geheilt
und der mit Magie durchwirkte dunkelste Raum der jüngeren Vergangenheit
durch das Naziregime haben tiefe Wunden in unserer kollektiven Seele
geschlagen. Es braucht Mut & Herz diese Ahnenverbindung wieder
zu aktivieren und zu heilen, das zu erlösen und zu transformieren,
was uns hindert mit unseren eigenen Ahnenwurzeln in Verbindung zu
sein.
Ohne uns in der Gegenwart ist alles, was die Ahnen gegangen sind
ohne Sinn & ohne die Ahnen sind wir niemand.
Wir als menschliche Rasse sind in diesen Zeiten die, die am nötigsten
Heilung brauchen: stellen wir uns nur für einen Moment vor,
daß es uns auf diesem Planeten nicht gäbe, so wäre
dies keine Gefährdung für den Fortbestand aller anderen
Welten (traurigerweise würde es vielleicht als erstes ein tiefes
Durchatmen geben). Würde sich aber nur eine der Welten von
Großmutter Erde und Großvater Himmel verabschieden,
wären wir nicht mehr lebensfähig. Hier einen Moment innezuhalten
kann uns begreifen lassen wie wesentlich Verbindung tatsächlich
ist.
Schamanistisches Arbeiten ist in seinem Kern immer Arbeiten an den
Verbindungen in uns, zu anderen und zu den vielschichtigen Wirklichkeitsebenen.
Die Heilung, die wir erfahren, ist das Sterben von Haltungen wie
Trennung, Isolation, Ängsten, Ignoranz und Arroganz. Das was
neu geboren wird, ist eine Haltung von erweiterter Bewußtheit
und das Wiedererinnern unserer wirklichen Intelligenz, die aus der
Eindimensionalität heraustritt in unsere zutiefst eingeborene
Vieldimensionalität. Erst dies befähigt uns wirklich respektvoll,
rücksichtsvoll, mitfühlend und verantwortungsbewußt
zu sein. Es ist das Erwachen des wahrhaftigen Menschen, der weiß,
daß er gehalten und eingewoben ist in ein heiliges Rad des
Lebens, ein MedizinRad , daß Ursprung, Quelle und Zuhause
ist.
Gabi
Brockmann
|